Camillo Gamnitzer, Die Schwalbe 2025
Position: 1rb4K/1p4pP/1PpP3b/P5k1/R3B1NR/2P1pp2/p1p2NPQ/8 w - - 0 1
 
selfmate in 5

Black: Rb8, Bc8, b7, g7, c6, Bh6, Kg5, e3, f3, a2, c2
White: Kh8, h7, b6, d6, a5, Ra4, Be4, Ng4, Rh4, c3, Nf2, g2, Qh2

Nicht nur eine Vielzahl ins Auge springender Verführungen dürfte den thematischen Lösungsansatz hier nachhaltig verschleiern. Zuoberst will erkannt sein, dass ohne wSf2 und ohne wTa4 der Zweizüger 1.Th5+ K:g4 2.Lf5+ L:f5# gedruckt vorläge. Bleibt die Gretchenfrage: wie dieses Offizierspaar ausschalten!? Den wTa4 könnte man durch seine kompromisslos unabweisbare Hingabe,
1.Tc4? c5 2.Td4 [3.Td5+] c:d4, mit Erfolg loswerden, aber dann stört immer noch der Schimmel f2...

1.Ld3! droht kraftvoll 2.Df4+ K:h4 3.g3+ Kh5 4.Sf6+ g:f6 5.Dg4+ L:g4#, sekundär still 2.Dg3 [3.Th5+ K:h5 4.Sf6+ g:f6 5.Dg4+,Le2+ L(:)g4#] g6 3.Se4+ Kf5 4.Sc5+ Kg5 5.Se6+ L:e6#, was 1...e:f2 erzwingt.
Und nun das subtile Intermezzo
2.Tc4! c5 3.Td4! c:d4. 
Tabula rasa!
4.Th5+! K:g4 5.Lf5+ L:f5#

Aus dem, tieflotenden, Besprechungstext von Sachbearbeiter Hartmut Laue: 
JB hebt die vollzügige Drohung hervor, und KHS bemerkt: „Der wLe4 muss das Feld e4 für den wSf2 räumen (1.Ld3). Nach 5.Se6+ wird die schwarze Turm-Läufer-Batterie wirksam: 5...L:e6#. Interessant.“ Auch über die von den Lösern leider unkommentiert gelassene Planstruktur hinaus gibt es deutlich noch einiges mehr zu sagen: Nach 1.Ld3! droht nicht etwa zusätzlich 2.Se4+?, da dies an 2...Kg6! 3.Kg8 [4.Sc5+ Kg5 5.Se6+ L:e6#] c1S! (oder auch 3...Lf4 4.Th5 c1S!) scheitert. Aber hätte man nicht mit 1.L:c2? beginnen können? Auch dann zwar würde 2.Se4+? nicht drohen, diesmal wegen 2...Kg6 3.Kg8 a1S! Nur, was hat 1.Ld3! eigentlich der Alternative 1.L:c2? voraus? Es ist eigenartig, daß sich dazu niemand  äußert, obwohl sich zunächst gar kein Unterschied aufdrängt. UM erwähnt als einziger die schwächlich wirkende zweite Drohung in der Lösung (s. o.), hält es allerdings für möglich, sie sei vielleicht „eher unbeabsichtigt“ vorhanden. Nein, ganz und gar nicht: nach 1.Ld3! f:g2 steht Weiß nämlich einzig jene Zweitdrohung zur Verfügung; 2.Dg3 g1T,D/g1S 3.Th5+ K:h5 4.Sf6+ g:f6 5.Le2+/Dg4+ L(:)g4#, 2. - g6 3. Se4+ usw. Nach 1.L:c2? f:g2 hingegen geht es nicht weiter (2.Dg3 g1T,D! mit Kontrolle über das dann im 5. Zug statt e2 für den wL benötigte Feld d1!). Auf diese fein gesponnene Weise entpuppt sich 1.Ld3! als fortgesetzter Angriff gegenüber 1.L:c2?

Es lohnt sich das Studium dieser Details, um zu erkennen, welch sensibles Konstrukt aus Vorplanstaffelung und Schlüsselauswahl diese Aufgabe darstellt! 

Ferner bietet sie dem Löser weitere, nicht der engeren Thematik zugehörige Fallstricke an:
1.Dh3? [2.Th5+ Kf4 3.Tf5+ L:f5#] g6!, woran auch 1.Sd,h1? [2.Th5+ K:g4 3.Lf5+ L:f5#] scheitert; 1.Sh3+? K:h4 2.Sg5+/Sf4+ K:g5!/K:g4!; 1.g:f3 [2.Sh3+ K:h4 3.Sf4+ Kg5 4.Se6+ L:e6#] e:f2!; 1.Se5? [2.S:f3+ Kf6 3.De5+ Kf7 4.Lg6+ K:g6/Kf8 5.De6+/D:g7+ L:e6/L:g7#] Kf6!